Breifrei – Wie, womit und wann beginnen? Ein praktischer Leitfaden für den schnellen und leichten Baby Led Weaning Start

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Der Tag ist gekommen, unsere Kleinsten haben ein stolzes Alter von etwa sechs Monaten erreicht und zeigen erste Zeichen der Beikostreife. Viele Mütter füttern nun ganz klassisch und altbewährt mit allerlei Brei zu, gekauft oder selbst gekocht. Doch es geht auch anders – Breifrei. Doch schon kommen erste Fragen auf. Kann mein noch so kleines Baby wirklich schon alleine essen? Wird es dabei satt? Kann es sich nicht verschlucken? Mit welchen Lebensmitteln und Rezepten soll ich beginnen?

 

Auf diese und weitere Fragen möchte ich in diesem Artikel eingehen und weiterhin wertvolle Tipps und ein paar erste, schnelle Rezeptvorschläge für den leichten Start ins Breifrei Abenteuer bieten.

Wir haben bei unseren Kindern etwa mit sechs Monaten begonnen, langsam erste feste Nahrung einzuführen. Davor wurden sie noch voll gestillt und auch ab diesem Zeitpunkt, beabsichtigten ich noch lange nicht, einzelne Stillmahlzeiten durch Beikostmahlzeiten zu ersetzen.

Kurioserweise mochte keines unserer drei Kinder den klassischen Brei, weder gekaufte Versionen noch selbst püriert. Als Familie mit marokkanischem Background essen wir traditioneller Weise sowieso ziemlich oft unsere Speisen mit den Fingern, bzw mit beigereichtem Fladenbrot – um genau zu sein, nutzen wir dabei nur die drei Finger (Daumen, Zeige- und Mittelfinger) der rechten Hand. Dazu servieren wir ganz klassisch meist einen großen “Familienteller”, aus dem dann die ganze Familie am Tisch ist.

So ergab es sich bei uns ganz natürlich, dass unsere Kleinen, die sowieso auf dem Schoß mit am Tisch saßen, sobald sie Interesse zeigten, einfach und ganz unkompliziert mitessen konnten, mal ein mit den Finger zerdrücktes kartoffelstückchen, mal ein ein Soße getunktes Lammfleischstücken. Gab es z.b. Kichererbsen, dann legten wir ein paar davon vor unseren Kleinsten, so dass er sie erforschen und essen konnte. Mixer und Pürierstab blieben, jedenfalls für die Herstellung von speziell gefertigten Babybrei, ungenutzt im Schrank stehen.

So lernten unsere Kinder vom ersten Tag der Beikosteinführung an, alleine zu essen. Die Zeit der Beikosteinführung fand so dreimal sehr entspannt und problemlos statt und ich möchte in diesem Artikel gerne meine Erfahrungen mit euch teilen…und keine Angst, dafür müsst ihr nicht auf marokkanische Tischsitten umsteigen.

Das Prinzip des BLW – Was ist der Sinn hinter einer breifrei Beikosteinführung?

Beim Baby Led Weaning und Breifrei Konzept lernt das Baby von Anfang aktiv mit all seinen Sinnen die spannende Welt der Ernährung zu entdecken und selbständig essen zu können. Es ergreift aktiv die vor ihm liegenden Nahrungsmittel, betastet sie, entdeckt sie, führt sie aktiv zum Mund. Es kann selbst entscheiden, es in den Mund zu stecken, zu kauen, zu schlucken oder erstmal vielleicht nur die Konsistenz zu erforschen. So werden bereits die ersten Mahlzeiten zu taktilen Erfahrungen, gleichzeitig trainiert es die Auge-Handkoordination und den Pinzettengriff. Das Baby erlebt so genussvolle Erfolgserlebnisse, statt passiv abhängig davon zu sein, was ihm in den Mund geschoben wird.

Baby Led Weaning und Breifrei sind dem Stillen im Grunde sehr ähnlich. Du bietest dem Baby an und es erledigt den Rest. Dies gibt bereits dem Baby die Möglichkeit und die Verantwortung selbstbestimmt darüber zu entscheiden, was und wieviel es essen möchte. Dies ist ein bedeutender unterschied zum klassischen Breifütterm mit dem Löffelchen, wo du selber erahnen musst, wann dein Baby satt ist.

Du fragst dich vielleicht, ob dein Baby sich an den Stücken nicht verschlucken und ersticken kann. Dies ist nicht wahrscheinlicher als beim Füttern mit dem Löffel. Anfangs kann es passieren, dass dein Baby vielleicht würgt – und dich damit verschrecken könnte mit der breifreien Beikosteinführung fortzufahren. Allerdings ist es nicht in der Lage, das Essensstück in den hinteren Mundbereich zu befördern, solange es nicht gelernt hat, zu kauen. Das Würgen ist lediglich ein Zeichen dafür, dass dein Baby lernt seine Zunge zu benutzen, um das Essen zu bewegen.

Der richtige Zeitpunkt – Ab welchem Alter mit Breifrei beginnen?

Sobald dein Baby in der Lage ist selbständig zu sitzen, Essensstücke zu ergreifen und zum Mund zu führen und deutliches Interesse am Essen zeigt, ist es bereit für seine erste Beikost. Meist ist dies um den sechsten Lebensmonat herum. Diese Fähigkeiten sind die wichtigen Zeichen der Beikostreife, auf die die mit der Beikosteinführung, sei es Brei oder Breifrei, warten solltest.

Welche Lebensmittel sind für den Breifrei Start geeignet?

Früchte und Gemüse sind ideale Starter. So kannst du zum Beispiel gegarte oder gekochte Möhren anbieten oder gedünstete Äpfel oder Birnenstücke. Allerdings sollte es nicht zerkocht und somit die Konsistenz so matschig sein, dass dein Baby die Stücke nicht mehr ergreifen kann. Aber auch die Avocado ist im Grunde genommen die perfekte BLW Einsteigerfrucht. Sie ist sehr nährstoff- und vitaminreich, gehaltvoll und enthält wichtige, gesunde Fettsäuren. Die Avocado ist weder zu hart, noch zu matschig, am besten kannst du es mit der kleinen, schwarzen Hass Avocado probieren, da sie milder und nussiger im Geschmack ist.

Breifrei Rezepte – Was kann ich anbieten?

Hier eine kurze Übersicht der idealen Baby Led Weaning Rezepte für den Einstieg:

  • Reife Birne, Avocado und Bananen in Spalten und Scheiben geschnitten
  • Leicht gedämpfte grüne Bohnen, diese haben bereits die perfekte Größe für den Baby Led Weaning Start
  • Leicht gedämpfte Karottensticks, Kürbissticks oder Brokkoliröschen mitsamt Stiel als Griff
  • Gekochte, gedämpfte oder gebackene Süßkartoffel Sticks
  • Omelett in Streifen geschnitten
  • Lange Streifen von Hähnchen oder rotem Fleisch – eher zum Lutschen und Nagen denn zum Essen gedacht am Anfang
  • Weich gekochte Vollkornnudeln, wie etwa Spiralnudeln, Farfalle oder Penne
  • Gekochte Kartoffel Sticks (in Pommes Form)
  • Wassermelone, Honigmelone und andere Sorten in Sticks geschnitten (im Sommer ideal)

Ich würde allerdings empfehlen, gerade zu Anfang stets ein Lebensmittel nach dem anderen einzuführen und nicht mehrere auf ein einmal. Denn falls dein Schätzchen eine allergische Reaktion, Blähungen oder andere Unverträglichkeiten zeigen sollte, weißt du direkt, welche Frucht oder Gemüse es nicht verträgt. Später kannst du natürlich alle Lebensmittel, die dein Baby verträgt miteinander kombinieren. Weiterhin ist es das Beste, wenn du saisonale und regionale Produkte verwendest.

Welche Lebensmittel soll ich beim Baby Led Weaning Start besser vermeiden?

  • Blähende Lebensmittel, wie Kohl oder Hülsenfrüchte
  • Schwer verdauliches Vollkornbrot
  • Paprika, da sie anfangs ebenfalls noch schwer zu verdauen ist
  • Blattsalate, da sie am Gaumen kleben bleiben könnte
  • Nüsse, aufgrund der Verschluckungsgefahr
  • Zu viel Salz oder Gewürze
  • Beeren, Weintrauben und ähnliches anfangs wegen Verschluckungsgefahr ebenfalls nur in angedrückter Form (Einfach einmal kurz zwischen den Fingern zerdrücken)

Auf die Form kommt es an

Es ist ganz leicht die richtige Größe der Essensstücke zu finden, die du deinem Leckermäulchen anbieten kannst. Kochst du beispielsweise Kartoffeln, Zucchini oder Möhren, so schneidest du sie in dicke Sticks, die etwa die Form von Pommes Frites haben. Greift dein Baby das Stück mit der Faust und schaut noch ein Stücken aus der faust heraus, so ist es die perfekte Größe für den Anfang. Du solltest das Essen nicht in ganz kleine Stückchen schneiden.

Anfangs wird dein Baby noch fast alles fallenlassen und mehr Essen wird auf dem Boden, oder auf der Kleidung landen als im Mund. Dies ändert sich jedoch, je mehr sich die motorischen Fähigkeiten deines kleines Schatzes verbessern. Mit der Zeit kann es ganz koordiniert und treffsicher die Happen in sein Mund befördern. Auch dann werden wahrscheinlich die Portionen, die es verdrückt noch minimal sein.

Wundere dich nicht darüber und setze dich nicht unter unnötigen Erwartungsdruck, direkt eine ganze Still- oder Flaschenmahlzeit ersetzen zu können. Sieh es wirklich als Zusatz, als Beikost eben, und nicht als Ersatzmahlzeit. Solch eine Erwartungshaltung würde euren Breifrei Start nur unnötig belasten. Bei uns hat es noch Wochen und Monate gedauert, bis das Breifrei Frühstück die morgendliche Stillmahlzeit nicht nur ergänzt, sondern ersetzt hat. Es ist ganz normal, dass dein Baby nach seinem Breifrei Fingerfood Snack noch gestillt werden möchte. Verwehre es ihm nicht, es möchte sich versichern, dass alles noch beim alten ist und die warme Milch immer noch auf es wartet.

Solange du auch weiterhin noch voll stillst oder mit Fläschchen fütterst, brauchst du dir auch keine Sorgen darum machen, ob dein Kleines satt oder ausreichend versorgt wird. es bekommt alle benötigten Nährstoffe und Energie immer noch durch die Mutter- oder premilch.  

Biete Nahrungsmittel wiederholt an

Es ist ganz normal, dass dein Kind bestimmte Nahrungsmittel stets ablehnt und nicht essen möchte. Dies ist absolut normal. Biete ihm diese Lebensmittel dennoch immer wieder regelmäßig an. Es kann mehr als Dutzende male brauchen, bis das Baby merkt, dass es Speisen gerne ist.

Biete Wasser an – Dein Baby  wird durstig sein

Auch wenn es noch minimale Portionen sind, die dein Baby anfangs ist, wird es durch seine ersten kleinen Mahlzeiten Durst bekommen. Es kann sein, dass es vermehrt gestillt werden möchte, da es mittlerweile weiß, dass die erste Muttermilch dünnflüssig und durstlöschend ist. Solange du es nach Bedarf stillst, brauchst du dir also weiter keine Gedanken machen. Natürlich kannst du ihm auch ein bisschen Wasser zum trinken anbieten, jetzt wo es anfängt, feste Speisen zu verzehren. Falls du mit der Flasche fütterst, solltest du auf jeden Fall zum Essen Wasser dazu zu reichen, denn es hat nicht nicht die Möglichkeit seinen Durst durch das Stillen zu löschen.

Ein wichtiger Tipp für das Baby Led Weaning und Breifrei

Es ist ganz wichtig, dass du dein Baby nur in einer aufrechten Position essen lässt. Also entweder auf deinem Schoß sitzend oder aufrecht in einem Hochstuhl. Es soll auf keinen Fall in einer Wippe oder ähnlichen liegend oder halbliegend essen. denn in liegender Position kann sich dein Baby leicht verschlucken und sogar ersticken. Daher bitte auf jeden Fall immer aufrecht sitzen lassen beim Essen

Und zum Schluss

Denk dran – Under one it’s just for fun! Also setze dich und dein Baby nicht unnötig unter Druck. Besonders, wenn du noch stillst, brauchst du dir überhaupt keine Sorgen machen, dein Kind bekommt durch die Muttermilch immer noch alle notwendigen Nährstoffe und alles was es für sein Wachstum, Entwicklung und Gedeihen benötigt. Unter einem Jahr kann es zwanglos durch Breifrei die neue Welt des Essens und der Geschmäcker erforschen und entdecken.

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