Richtig entspannt stillen – Die häufigsten Stillpositionen

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Stillen kann sehr angenehm und entspannend sein. Es kann für wohlverdiente Pausen dienen, die man gut für ein wohltuendes Nickerchen nutzen kann. Oder für Momente, wo du mal ungestört ein Buch (oder mal im Handy) lesen kannst. Oder einfach ein Moment sein, wo du ganz im Stillen (schönes Wortspiel) de Zweisamkeit mit deinem kleinen Schatz genießen kannst.

Und dann gibt es diese Momente, wo der praktische Nutzen des Stillens ganz deutlich wird, vor allem wenn du unterwegs bist und bis auf ein paar Windeln, Feuchtigkeitstücher und dein Baby nichts weiter mitnehmen und keine große Wickeltasche mitschleppen musst. Egal wo du bist, wenn dein Baby Hunger bekommt, hast du die Milch richtig temperiert dabei. Hier kannst du dann im Grunde an jedem Ort und sogar im Gehen im Tragetuch stillen. Aber du brauchst dir keine Sorgen darüber machen, denn du wirst intuitiv geeignete und angenehme Position finden, in denen du deinen Liebling stillen kannst. Du wirst im Laufe ihrer Stillzeit deine Lieblingspositionen finden, wahrscheinlich sogar je nach Umständen mehrere. Und du wirst sie wahrscheinlich auch immer wieder wechseln, nachts beispielsweise im Liegen stillen, unterwegs im Tragetuch stillen und zu Hause im Sitzen. Dies ist auch gut so, denn so kann sich die Milch in deiner Brust gut entleeren und die Möglichkeit eines Milchstaus vermieden.

In diesem Artikel möchte ich dir als Anregung einen Überblick über die verschiedenen Stillpositionen geben, die so möglich sind.

1. Stillen im Liegen

Viele Mamas stillen gerne seitlich im Liegen. Der Vorteil des Stillens im Liegen ist die wunderbare Chance auf erholsame Nickerchen während des Stillens. Glaub mir, gerade am Anfang wirst du oft müde sein und Stillen wirkt quasi einschläfernd. Auch nachts ist das Stillen im Liegen eine Wohltat, da du so am ehesten zu ausreichend Schlaf bekommen kannst. In den ersten Lebensmonaten ist es das einfachste, wenn dein Kleines bei dir im Familienbett oder im Beistellbettchen schläft. So kannst du fast unbemerkt weiterschlafen, während dein Baby zum Stillen aufwacht und andockt.

So geht’s

Dafür benötigst du auf jeden Fall ein gemütliches Kissen für dich und eine Decke zum zudecken, die griffbereit liegt. Hilfreich kann es sein, wenn du dein Baby in einer Art V zu dir positionieren. Also so, dass es nicht parallel zu dir liegt, sondern mit seinem Unterkörper dichter zu deinem. So wird das Näschen deines Baby frei sein und du brauchst nicht die ganze Zeit deine brust von der Nase fernhalten.

Über Kopf stillen

Es kann passieren, dass sich im oberen Teil der Brust ein Milchstau bildet und auch normales Anlegen nicht hilft diesen zu beseitigen. Der beste Tipp in diesem Fall ist das Über Kopf Stillen.

So geht’s

Am besten legst du dich dafür auf den Rücken oder auch seitlich hin und legst dein Baby mit den Füßen nach oben an. So als ob es auf dem Kopf steht.  Dein Baby liegt neben dir und sein Körper und seine Füße führen an deinem Kopf vorbei. Wenn du auf dem Rücken liegst, ist es sehr hilfreich, wenn eine zweite Person, dein Mann oder deine Hebamme, dein Baby hält. Sein Körper führt wieder ein deinem Körper vorbei. Auf diese Weise saugt dein Baby mit der Seite seines kräftigeren Unterkiefers an der Stelle des Milchstaus. So kann sich der Milchstau ganz leicht wieder lösen. Generell kannst du immer den Unterkiefer deines Babys so platzieren, dass es an die Stelle an der Brust ansetzt, wo sich ein bisschen die Milch staut.

Im sitzen stillen

Such dir einen gemütlichen Platz auf deiner Couch oder in deinem Bett, mit einem schönen dicken Kissen als Rückenlehne. Im sitzen eignet sich wunderbar ein Stillkissen. Man braucht im Grunde wirklich wenig babyzubehör, aber ein gutes Stillkissen kann Gold wert sein. Denn so kannst du dein baby gemütlich auf dem Stillkissen positionieren und musst es nicht die ganze Zeit festhalten, was zu Verkrampfungen führen kann und dich von einem spontanen Nickerchen abhalten kann.

Für das Stillen im Sitzen gibt es mehrere Positionen, das Stillen in der Wiegehaltung, das Stillen in einer zurückgelehnten Position und das Stillen mit der Fußballerhaltung.

Das Stillen in der Wiegehaltung

Das Stillen in der Wiegehaltung ist wohl die verbreitetste und bekannteste Stillposition, die beobachtet werden kann. Einerseits ist sie wirklich sehr angenehm. Aber es liegt vielleicht auch daran, dass eine Mama in der Öffentlichkeit oder auch in der Krabbelgruppe sich eher hinsetzt zum Stillen und nicht hinlegt. Außerdem ist es in dieser Haltung sehr einfach, die Brust zu verdecken. Für die Umgebung ist es kaum unterscheidbar, ob du als Mutter dein Baby gerade im Arm hälst oder es stillst.

So geht’s

Du hältst oder stützt den Körper deines Babys mit deinem Unterarm, sein Köpfchen ruht in deiner Armbeuge. Der Bauch deines Babys schmiegt sich an deinen Bauch an. Versuche deine Schultern nicht hochziehen, da sie sich sonst verspannen und du Nackenschmerzen bekommen kannst. Am besten legst du dein Baby und deine Arme irgendwo ab. Ein Stillkissen eignet sich hierfür wunderbar. In der klassischen Wiegehaltung hältst du dein Baby jeweils in dem Arm, an dessen Körperseite du dein baby gerade an die Brust anlegst. Wichtig dabei ist, dass du das untere Ärmchen deines Babys hinter deinen Rücken vorbei führst, als ob es dich umarmen würde. Lege das untere Ärmchen nicht unter den Körper deines Babys und auch nicht zwischen euch, denn dann würde das Gewicht deines Babys während des Stillens die ganze Zeit auf seinem Ärmchen.

In der Rückenhaltung stillen

(Fußballerhaltung/Footballerhaltung)

In dieser Position ist dein Baby bestens gestützt und du kannst es zielsicher und sehr genau an deine Brust heranführen. Diese Stillposition eignet sich besonders gut, wenn das richtige  Anlegen anfangs noch nicht so gut klappt, dein Baby Schwierigkeiten beim Saugen hat, weil es vielleicht noch zu schwach ist oder du einen Kaiserschnitt hattest. Gerade bei solchen Anfangsschwierigkeiten, wenn ihr einen schwierigen Start hattet oder dein Baby ein Frühchen ist und das Stillen in anderen Positionen nicht so recht funktioniert, solltest du die Rückenhaltung ausprobieren. Denn in dieser Position ist es am Anfang sehr leicht für dein Baby sein, die Brust richtig in den Mund zu bekommen und saugen. Hier arbeitet die Schwerkraft für euch und hilft, dass dein baby fast automatisch richtig die Burst ergreifen kann.

So geht’s

Du hältst dein Baby seitlich an deinem Körper zwischen deinem Arm und deinem Körper an der Seite, an der du gerade stillen willst. Stelle dir einen Fußballspieler vor, der sich einen Ball an die Seite zwischen Arm und Körper eingeklemmt. Du solltest, wenn möglich, dich anlehnen können. Auch dient deine Rückenlehne gleichzeitig als Begrenzung für die Beinchen deines Lieblings, so dass es nicht aus der Position rutscht und du es nicht aktiv halten musst. Das Köpfchen deines Babys liegt in deiner Hand, anfangs kannst du auch seinen Körper auf deiner Unterarm Innenseite ruhen lassen. Du benötigst auf jeden Fall ein oder zwei größere Kissen oder auch ein Stillkissen, so dass du deinen Arm und dein Baby darauf ablegen kannst.

Zurückgelehntes Stillen

(Laid Back Nursing)

Diese Stillposition gilt als die natürlichste Stillposition und unterstützt das intensive Bonding nach der Geburt zwischen dir und deinem Baby. Es heißt, dass Stilprobleme vollends vermieden werden, wenn du diese Position von Anfang an verwendest. Denn hier darf dein Baby selber aktiv die Führung übernehmen und erlebt durch diesen eigenen, aktiven Einsatz seine erste Selbstwirksamkeit.

So geht’s

Du liegst mit leicht erhöhtem Oberkörper auf dem Rücken. Du kannst dir ein Stillkissen unter die Schultern und Kopf legen, vielleicht kannst du auch dein Lattenrost etwas hochstellen. Dein Baby liegt bäuchlings auf deinem Bauch, sein Kopf etwa auf der Höhe deiner Brust. Du kannst dein Baby zur Hilfe etwas abstützen, seinen Füßen etwas Halt geben, ansonsten brauchst du es nicht festzuhalten. Auch brauchst du es nicht anzulegen, du kannst – falls nötig – deine Brust etwas stützen um deine Mamille gut erreichbar zu machen, dein Baby wird in dieser Position aktiv nach deiner Brust suchen und sie intuitiv richtig aufnehmen.

Kreuzgriff

Anfangs in der Lernphase ist der Kreuzgriff ideal. Diese Stillposition ist eine leicht abgewandelte Form der klassischen Wiegehaltung. Du kannst im Kreuzgriff dein Baby besser stützen, was das richtige Anlegen erleichtert.

So geht’s

Der Körper deinen Babys ruht auf deinem Unterarm, sein Köpfchen liegt in deiner Hand. Genau andersherum als beim Wiegegriff, wo das Köpfchen in deiner Armkule liegt. So hast du dein Baby sicher im Griff und kannst es ganz gezielt richtig anlegen.

Hoppe Reiter Sitz

Wenn dein kleiner Liebling kein kleines Baby mehr ist, sondern schon anfängt zu krabbeln, sitzen oder laufen, kannst du es auch gut im Hoppe Reiter Sitz stillen.

So geht’s

Dein Kleines sitzt auf einem deiner Oberschenkel dir zugewandt, die Beinchen links und rechts zu deinem Oberschenkel. Du selber sitzt aufrecht oder angelehnt an eine Lehne. Meist sind die Kinder nun schon etwas älter, so dass es alleine und aufrecht sitzen kann. Du stützt, falls nötig mit deinem Arm oder deiner Hand den Rücken deines Kindes. Meist schmiegt es sich beim Stillen an dich.

Im Schaukelstuhl stillen

Manche Mütter stillen auch gerne im Schaukelstuhl. Besonders in Kombination kann dies sehr angenehm sein. Das stetige Schaukeln kann besonders unruhige Babys beruhigen und so Stillen überhaupt erst möglich machen. Du magst es vielleicht nicht glauben – oder du stehst gerade selber vor diesem Problem, aber es gibt Babys und es gibt Phasen, in denen Stillen fast nicht möglich ist, weil das Baby sich nicht beruhigen kann. Dies kann eine Mutter sehr verunsichern und zum Verzweifeln bringen. Das Baby hat Hunger, aber kaum legst du es an, weint und schreit es bitterlich. Auf die Gründe, gehe ich im Artikel über Stilprobleme näher ein. Jedenfalls kann in solchen Momenten ein Schaukelstuhl, oder alternativ auch ein Pezziball Gold wert sein. Das stetige Schaukeln oder Auf und Ab Hüpfen beruhigt das Baby und kann in ruhiges Stillen übergehen.

Sessel zum Stillen

Eine Zeit lang stillte ich am liebsten im gemütlichen Sessel sitzend. Er hatte so schöne breite Armlehnen und hatte genau die perfekte Größe, dass ich mich selber im Sessel gemütlich einkuscheln konnte und dort mit meinem Kleinen ein Nickerchen halten konnte. Auch eignete sich der Sessel ideal um beim Stillen lesen zu können. Also falls du einen schönen Sessel zu Hause hast, ist es auf jeden Fall ein Versuch wert, im Sessel zu stillen.

Stillen und Tragen

Wenn du dein Baby viel im Tragetuch oder ein einer Tragehilfe trägst oder tragen willst, dann fragst du dich vielleicht, ob Stillen und Tragen gleichzeitig möglich ist, ohne dein Baby ablegen zu müssen. Sei dir gesagt, ja es ist möglich, und es kann ungeheuer praktisch sein. Besonders wenn du z.B. eigentlich noch weiter absaugen müsstest, aber dein Baby Hunger hat und gestillt werden möchte. Dafür ist jedoch doch etwas Übung notwendig.

So geht’s

Du musst das Tragetuch oder die Tragehilfe etwas lockern, falls dein Baby nicht auf deiner Brusthöhe sein Köpfen hat. Anfangs kannst du dich auch zuerst hinsetzen und so den Umgang übern dein Baby im Tragetuch zu stillen. Ob Stillen Im Tragetuch, Stillen im Ringsling, Stillen in der Tragehilfe oder in der Wickelkreuztrage, vom Prinzip her ist es bei allen Tragevarianten dasselbe. Falls das Köpfchen deines Babys nicht auf deiner Brusthöhe ist, musst du die Tragehilfen etwas lockern und das Baby ein wenig herunterlassen. Dann kannst du die Tragehilfe oder das Tuch wieder fest ziehen, um dennoch deinem Baby einen guten Halt zu geben, ohne dass es in sich zusammensackt. Am einfachsten hab ich dies tatsächlich mit einem Ringsling oder einer Mei Tai Tragehilfe, wie der Fidella Fly Tai, der Storchenwiege Babycarrier oder der Limas Tragehilfe empfunden.

Stillen mit Stillkissen

Das Stillkissen ist das klassische Hilfsmittel in der Stillzeit, dass zu Recht fast jede Mutter besitzt. Falls du noch keines hast, dann kann ich nur empfehlen, dich mit einem Kissen einzudecken. Bereits in der Schwangerschaft kann ein Stillkissen unheimlich hilfreich sein. Denn gerade in den letzten Schwangerschaftswochen kann es sehr schwer sein, noch eine gemütliche Position zum Schlafen zu finden. Das Stillkissen kannst du wunderbar als Rücken- oder Bauchstütze nehmen wenn du seitlich liegst.

Nach der Geburt eignet es sich nicht nur wunderbar als unterstützende Hilfe beim Stillen. Du kannst ein Stillkissen auch als Begrenzung an den Bett- oder Coachrand legen, so dass dein kleines Neugeborenes nicht herunter purzeln kann. Du kannst das Kissen auch zusammengedrückt hinlegen und dein Baby in diese Mulde legen. So liegt es ein bisschen aufgerichtet und von allen Seiten spürt es eine Begrenzung, dies kann gerade bei Bauchschmerzen oder Unruhe sehr hilfreich sein. Allerdings ist dies kein Ort für einen längeren und unbeaufsichtigten Schlaf deines Babys.

Stillen in der Öffentlichkeit

Das Praktische am Stillen ist ja gerade die ständige Verfügbarkeit der Nahrung ohne heißes Wasser dabei haben zu müssen und Fläschchen und Milch anrühren zu müssen. Daher wäre es eigentlich ziemlich paradox von diesem enormen Vorteil nicht Gebrauch zu machen.

So geht’s

Du brauchst du auf keinen Fall einreden oder dich verunsichern zu lassen, dass Stillen an öffentlichen Orten unangebracht wäre. Und falls dich ein Restaurantbesitzer oder andere Gäste doch mal auf die Toilette verweisen wollen, da sich das doch nicht gehöre, dann frag sie einfach, ob sie denn auf einer Toilette essen würden wollen. Natürlich kannst du dir ein Tuch, ein Mulltuch oder auch eine spezielle Stillstola umlegen, um deine Brust zu verdecken, falls es dir unangenehm ist, dich öffentlich so preiszugeben. Das ist eine Sache, die du für dich selber und nach deinem eigenen Wohlgefühl entscheiden solltest. Gerade auch im Winter ist es dann auch besser, wenn du davon tatsächlich Gebrauch machst, einfach um dich nicht zu verkühlen und krank zu werden. Für das Stillen unterwegs und in der Öffentlichkeit eignet sich am besten die klassische Wiegehaltung.

Ich hoffe, dieser Artikel war hilfreich für dich.

 

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