Wie du dein Kind ohne Medien großziehst

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Unser Kind, friedlich und konzentriert, versunken in freiem Spiel, der Fernseher aus, kein Smartphone und kein Tablet weit und breit. Ich denke, die meisten Eltern sehen dies als wünschenswerten Idealzustand an. Und fragen sich vielleicht ebenso, wie das funktionieren soll. Oder haben ein schlechtes Gewissen, weil dies bei Ihnen so nicht zu klappen scheint. Denn uns ist bewusst, dass übermäßiger TV Konsum für Säuglinge und Kleinkinder schädlich sein kann. Und auch für ältere Kinder ist eine zu lange Medienzeit nicht gut. Studien bringen übermäßigen Medienkonsum mit Übergewicht, Konzentrationsproblemen bis hin zu ADHS und mit kognitiven, motorischen und sprachlichen Entwicklungsverzögerungen in Verbindung. Dies wünscht sich doch keiner von uns für seine Kinder.

In diesem Artikel möchte ich genau auf diese Problematik eingehen und ganz leichte Möglichkeiten aufzeigen, wie man das Ganze angehen kann. Der Artikel ist lang, wenn du wenig Zeit hast, dann springe im Inhaltsverzeichnis einfach zur gewünschten Stelle. Ansonsten hol dir einen Tee oder Kaffee und genieße das Lesen.

Müde Eltern

Warum also sitzen dennoch so viele Kinder so übermäßig lange vor TV, Tablet und Smartphone? Nun, ganz einfach. Weil die Eltern müde und erschöpft sind.

Wir kümmern uns liebevoll um unsere Babys, achten auf eine gute Bindungsbildung und versuchen ein gesundes Urvertrauen bei unseren Kleinen aufzubauen. Dafür versuchen wir auf ihre Bedürfnisse einzugehen, sie nicht allein zu lassen, schon gar nicht schreien zu lassen. Wenn Sie heranwachsen, bemühen wir uns um einen strukturierten und fördernden Alltag. Wir kochen gesund, wir spielen mit Ihnen, wir schauen gemeinsam Bilderbücher an. Und doch gibt es noch den Alltag zu bewältigen. Briefkram will erledigt werden, die Wäsche gefaltet, der Haushalt geführt. Und auch wir sind nur Menschen, die ein Bedürfnis nach Pausen, nach einem guten Buch haben oder vielleicht auch daheim arbeiten müssen oder wollen.  Kinder Großziehen, vor allem qualitativ hochwertige, kostet jedenfalls eine unglaubliche Menge an Zeit, Aufmerksamkeit und Energie. Es ist völlig verständlich, sich wenigstens einige, wenige Momente der Ruhe gönnen zu wollen, in denen man vielleicht mal duschen oder einfach mal alleine auf Toilette gehen kann. Oder mal die Spülmaschine ausräumen. Oder kochen. Oder sich tatsächlich mal ein paar Minuten auf die Couch zu legen, vor allem wenn man die Nacht zuvor wieder einmal viel zu wenige, unzusammenhängende Stunden geschlafen hat.

So stellt sich dann die Frage: Schaden die paar Minuten Medienzeit täglich unseren Kleinen so sehr? Sicher nicht. Und eine oder zwei Folgen Peppa Wutz täglich kann auch ein nettes Ritual sein, wenn der restliche Tag wirklich medienfrei ist. Aber was wäre, wenn es möglich wäre, Pausen zu machen ohne dafür den TV oder das Tablet anzumachen? Würdest du davon nicht gerne Gebrauch machen?

Glücklicherweise gibt es tatsächlich einen Weg, sein Kind mit wenig Medienzeit oder gar medienfrei aufzuziehen ohne dabei seinen Verstand und Nerven zu verlieren und dennoch seinen Alltag und Haushalt gebacken zu kriegen. Und zwar liegt das Geheimnis im selbstgesteuertem Spiel.

Das selbstgesteuerte Spiel

Selbstgesteuertes oder auch eigenständiges Spiel ist das Spiel, welches selbständig vom Kind aus ausgewählt, initiiert und ausgeführt ist. Wenn dein Kind in der Lage ist, selbständig zu spielen, ist es nicht mehr so fordernd und anstrengend und erfordert nicht mehr deine ständige vollständige Präsenz. Du bist dann nicht mehr für seine Unterhaltung zuständig, die dein Kind benötigt um ruhig, ausgeglichen und zufrieden zu sein. Du kannst dich zurücklehnen und beobachten, wie dein Kind die Welt spielend erforscht. Du kannst in dieser Zeit lesen, deine Emails checken, arbeiten, Schokolade essen oder was auch immer tun, was du tun möchtest. Und das ohne schlechte Gewissen, weil du dir deine Ruhe nicht mehr durch Medienzeit eintauschen musst. Wäre das nicht eine unglaubliche Erleichterung?

Hinter der Entwicklung intrinsischer Erkundung, also die eigenmotivierte und eigenständige Erkundung, steht dabei einen noch viel größeren Nutzen als dir als Mutter Freiraum und Pausen zu ermöglichen. Das intrinsische Spiel fördert die soziale und emotionale Gesundheit deines Kindes, es fördert das Selbstvertrauen, die Kreativität, Selbstdisziplin und Problemlösungskompetenz.

Was ist denn eigentlich so schädlich am frühen Medienkonsum?

Diese wichtigen Kompetenzen entstehen nicht eben nicht beim Medienkonsum. Viel mehr verhindert und stört Medienkonsum die Entwicklung dieser wichtigen Fähigkeiten.

Denn Medien- und TV Konsum stört ganz empfindlich den kindlichen Instinkt für das eigenständige Spiel und die intrinsische Neugier, die Welt zu entdecken. Dies liegt unter anderem daran, dass der Medienkonsum die Aufmerksamkeitsspannen bei unseren Kindern verringert. Dies zeigen Studien, die erhöhten Fernseh- und Medienkonsum mit ADHS in Verbindung bringen.

Es liegt aber auch daran, dass das Kind sich daran gewöhnt unterhalten zu werden. Das Bedürfnis danach, ständig unterhalten und bespaßt zu werden wird so größer als das instinktive Bedürfnis und die kindliche Neugier danach, die spielerisch Welt zu erkunden.

Mehr zum Thema frühkindliche Gehirnentwicklung und den Einfluss, den früher Medienkonsum hat, behandele ich in Kürze in einem weiteren Artikel.

Die Medienkonsum-Spirale

Lässt man sein Kind nun Fernsehen schauen oder das Tablet nutzen, entsteht ein regelrechter Teufelskreis. Je mehr das Kind Fernseh guckt, desto weniger kann es sich selbst, intrinsisch motiviert, beschäftigen und desto mehr braucht es den weiteren Medienkonsum. Und desto mehr hast du als Elternteil dann tatsächlich das Gefühl, du brauchst das Tablet und den TV, um wenigstens ein bisschen Ruhe für andere Aufgaben zu haben.

Das gleiche gilt entsprechend Gott sei Dank auch andersherum. Denn je mehr Freude dein Kind am eigenständigen Spielen hat, desto mehr will es eigenständig spielen wollen. Am liebsten schon direkt morgens nach dem Aufstehen. Und desto uninteressanter werden Medien. Und desto ruhiger wird der Alltag für dich als Mutter.

Der praktische Leitfaden für den medienfreien Alltag

Stellt sich nun nur noch die Frage, wie bringe ich mein Kind dazu, eigenständig zu spielen? Darauf will ich dir im Folgenden einige Tipps geben.

Schalte den Fernseher und das Tablet aus

Das erste, was du tun kannst, um dein Kind an eigenständiges Spielen heranzuführen, ist den Fernseher, das Tablet und andere Medien auszuschalten und auszulassen. Dies ist wichtig, denn wie schon erwähnt, stört gerade der Medienkonsum die Entwicklung des eigenständigen Spiels. Dies kannst du auf zweierlei Arten machen. Entweder du beendest den Medienkonsum (zeitweilig) komplett und lässt überhaupt kein Fernsehen oder Tablet Schauen mehr zu. Oder du reduzierst beides auf ein geringes Maß. Du kannst dich dabei an die Richtlinien der American Academy of Pediatrics (AAP), dies ist die amerikanische Vereinigung amerikanischer Kinderärzte, halten. Diese empfehlen den Medienkonsum entsprechend dem Alter des Kindes anzupassen. Grundlegend besagen die AAP Richtlinien, je jünger das Kind, desto geringer soll der Medienkonsum sein. Dabei geben sie folgende Richtwerte:

  • 0 bis 18 Monate: Kein Medienkonsum (mit Ausnahme von Videotelefonie z.b. mit Verwandten)
  • 18 Monate bis 2 Jahre: die AAP sagt, dass ab 18 Monaten ein geringer und langsamer Medienkonsum beginnen kann, aber sie befürworten dies nicht.
  • 2 bis 5 Jahre: Nicht mehr als 1 Stunde täglicher Medienkonsum
  • 5 Jahre und älter: Es wird keine spezifische Zeit genannt, jedoch ratet die AAP den Eltern, die Medienzeit zu begrenzen.

Bitte beachte dabei, dass die die oberen Grenzwerte sind.

Ich recherchiere noch weiter zu diesem Thema und werde Studien und Quellen aus der deutschen Forschungslandschaft noch nachtragen. Du kannst dich in meinen Newsletter eintragen, wenn du auf dem Laufenden bleiben willst.

Eins steht jedenfalls fest. Es gibt keine Vorteile des Medienkonsum im frühen (Klein)Kindes- oder gar Babyalter. Wenn du daher zweifelst und in deinem inneren ein schlechtes Gefühl hast, wenn du dein Kleines TV schauen oder Tablet nutzen lässt, so halte daran fest. Dein Gefühl täuscht dich nicht. Aber deswegen bist du ja auch hier und liest diesen Artikel. Kommen wir zum nächsten Punkt.

Schaffe eine sichere und anregende Umgebung

Keine Wohnsituation gleicht der anderen, daher ist die Gestaltung einer sicheren, anregenden und kindgerechten Umgebung abhängig von eben deiner persönlichen Wohnsituation. So kann ich auch nicht allumfassend auf alle notwendigen Punkte eingehen, aber die wichtigsten Tipps und Ideen möchte ich dir geben.

Tipps für eine sichere und anregende Umgebung

Sicherheit

Damit du den Raum, in dem sich dein Kind aufhält, verlassen kannst oder deine Aufmerksamkeit auf andere Dinge lenken kannst, musst du darauf vertrauen können, dass eure Umgebung absolut sicher ist und keine Gefahren für dein Baby oder Kind birgt. Dies umfasst folgende Dinge:

  • Bewahre schwere oder gefährliche Gegenstände außerhalb der Reichweite deines Kindes auf, so dass sie nicht von ihm heruntergezogen werden können.
  • Steckdosensicherungen an allen Steckdosen (prüfe auch, ob alle Steckdosen fest sitzen).
  • Kantenschutz an scharfen Möbelkanten.
  • Türschutzgitter zu Räumen, die du nicht baby- oder kindersicher machen kannst (z.B. Zimmer von älteren Geschwistern). Neben Amazon hat Lidl in seinem Online Shop günstige und gute Absperrgitter.
  • Dasselbe bei Treppen, befestige hier Türschutzgitter.
  • Übrigens wichtig: Falls du einen Klettermax hast, der über alle Türschutzgitter drüber klettert, dann nimm sie wieder ab.
  • Du kannst die Türklinken hochdrehen und so festschrauben. So wird es sehr lange dauern, bis dein Kind sie öffnen kann (und dann sollte es schon um einiges reifer und vernünftiger sein).
  • Befestige eine Türkette an der Eingangstür um zu verhindern, dass dein Kleiner die Tür öffnet und futsch auf einmal weg ist.
  • Bring abschließbare Fenstergriffe an. Unterschätze nicht den Forschungs- und Entdeckerdrang deines Kleinkindes, dass auf die Fensterbank klettert und die Fenster alleine öffnet. Vor allem wenn du höher als im Erdgeschoss wohnst. Du bekommst ein 4er Set sehr günstig bei Amazon.
  • Lass keine Kleinteile herumliegen oder an (durch Klettern) erreichbaren Stellen liegen.
  • Befestige Regale, Kommoden und Schränke (die nicht so tiefen Schränke, wie den Dielen- oder Schuhschrank) an der Wand, damit sie nicht umkippen können, falls dein Kind daran hochklettert.
  • Räume deine Schränke etwas um, so dass in den unteren Bereichen sich keine gefährlichen Gegenstände befinden und dein Kind seinem Entdeckerdrang nachkommen kann, Schubladen und Schränke zu öffnen und auszuräumen. Sichere die übrigen Schubladen und Schränke mit Schranksicherungen. Am besten eignen sich diese Magnet-Sicherungen, die es bei Amazon gibt.
  • Verwahre Putzmittel, Werkzeuge, Batterien und ähnliches komplett außerhalb der Reichweite deiner Kinder auf. Stelle sie auch im Badezimmer oder im WC hoch, sobald dein Kind anfängt aufs Töpfchen zu gehen.
  • Vermeide es, Kisten oder Stühle auf dem Balkon zu haben, da dein Kind dort hochklettern kann oder halte die Balkontüre geschlossen, bzw. auf kippe.
  • Für den Garten gelten ähnliche Regeln, achte hier besonders, ob du giftige Pflanzen in deinem Garten hast.

Im Grunde ist es so, dass du viel leichter dein Kind zum selbstgesteuerten Spiel anleiten kannst und es dann auch wirklich alleine spielen kannst, wenn du selber genau weißt, dass die Spielumgebung sicher ist.

Schöne und ordentliche Spielumgebung

Kinder reagieren sehr sensibel auf Unordnung. Es hilft dem Kind sich konzentrieren, fokussieren und auf das Spiel einlassen zu können, wenn die Spielsachen sauber, ordentlich und in einem aufgeräumten, schönen Zustand sind.

Einige Tipps dafür:

  • anstatt das Spielzeug in eine große Kiste einzuräumen, benutze lieber kleine Körbchen, Regale oder entsprechende Ablageflächen (hier findest du zahlreiche Ideen für eine schöne und ansprechende Einrichtung). Dies macht es viel einfacher, einen Überblick über die Spielsachen zu haben und das Betrachten und Aussuchen wird so unterstützt. Auch das Aufräumen und Weglegen ist so viel leichter.
  • Das Spielzeug sollte dem Kind stets zugänglich und alleine erreichbar sein ohne dass es dich als Mutter danach fragen muss. Natürlich kannst du auch Sachen wegräumen und für einen anderen Zeitpunkt aufheben, wenn dein Kind damit noch nicht umgehen kann. So bewahrst du die, teils teuren, Spielsachen davor, kaputt zu gehen, so dass dein Kind später damit spielen kann.

Nicht zu viel Spielzeug

Eine Auswahl von schönem Spielzeug und Büchern ist wichtig, aber achte darauf, dass es nicht zu viel ist. Dies kann schnell eine Überstimulation bei deinem Kind erzeugen, so dass dein Kind nur kurz und oberflächlich mit den ganzen, zahlreichen Spielzeugen spielen würde.

Ein schöner Tipp ist es, einige Spielsachen immer wieder mal auszutauschen und wegzuräumen (am besten außerhalb des Kinderzimmers) und dafür wieder andere hervorzuholen.

Eine Studie der Universität von Toledo in Ohio, USA hat Interessantes ergeben:

Es wurde das Spielverhalten von 36 Kleinkindern untersucht. Sie sollten 1 ½ Stunden in einem Raum spielen. Einigen wurden 4 Spielsachen, anderen 16 Spielsachen zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis dieser Studie zeigte, dass die Kinder, die nur 4 Spielsachen zur Verfügung hatten, viel kreativer gespielt hatten.

Benutze Farben

Kinder lieben bunte Farben. Auch wenn das Kinderzimmer durch bunte Spielsachen, Bilder oder Teppiche nicht so schick und durchgestylt in einem Ton in Ton Greige a la Instagram wirkt, es muss in erster Linie eben dem Kind gefallen und zum Spielen anregen. Also nutze ruhig schönes, buntes Spielzeug als Anregung für dein Kind – und damit sind nun keine billigen Plastikspielzeuge gemeint, sondern eher farbenfrohe Bücher, gerne Duplo oder später Lego, Playmobil 123, aber auch farbenfrohe Akzente in der Kinderzimmergestaltung.

Stühlchen und Tischchen

Eine tolle Ergänzung in jedem Kinderzimmer sind Tisch und Stühle in Kindergröße. Bei Ikea findet man sie beispielsweise immer. Wenn das Kind auf einem Stuhl und an einem Tisch in seiner Größe sitzen kann, fühlt es sich selbstsicherer und kann sich fokussierter und konzentrierter auf das Spiel einlassen. Außerdem stärken diese kleinen Möbel das Selbstvertrauen und die Selbständigkeit des Kindes, da es diese leicht nutzen und umherschieben kann, wie es sie haben möchte.

Auch kleine Hocker sind wunderbar dafür geeignet, um die Selbstsicherheit und Eigenständigkeit des Kindes zu erhöhen, da es so viele Tätigkeiten ausführen kann, ohne auf die Hilfe von Erwachsenen angewiesen zu sein. So kann es beispielsweise mit einem Hocker im Badezimmer alleine auf die Toilette gehen oder sich alleine die Hände waschen. Es kann so auch in der Küche beim Kochen oder Zubereiten helfen, hierfür eignet sich ein Learning Tower, dies ist ein kleiner IKEA Hack, bestens. Eine Anleitung findest du hier.

Auf das Spielzeug kommt es an

Eine Herausforderung ist es sicherlich, schönes und gutes Spielzeug auszusuchen. Gerade beim ersten Kind ist es verständlich, wenn du unsicher und überwältigt bist, wegen der schier großen Auswahl an Spielsachen. Doch einen kleinen Grundsatz gibt es: Simpler ist oft besser.

Am besten wählt man Spielzeug, dass die Phantasie anregt und fördert und keines, dass Lärm macht und sich bewegt. Das bedeutet nun nicht, dass man all diese Spielzeuge nun weggeben soll oder nicht von schenkenden Großeltern annehmen soll. Man kann auch einfach die Batterien rausnehmen. Und wenn der Rest der Spielsachen nicht aus batteriebetriebenen Sachen besteht, schadet auch das eine nicht. Die Säuglings-Expertin Magda Gerber sagt dazu, dass aktives Spielzeug passive Kinder und passives Spielzeug aktive Kinder mache. Doch gerade die aktiven Kinder sind Meister darin, sich lustige, interessante und unterhaltsame Beschäftigungen zu suchen, ohne bespaßt werden zu müssen.

Hier sind einige Ideen für Spielsachen, die wunderbar für das Kinderzimmer und das selbstbestimmte Spiel geeignet sind:

Tipps für das richtige Spielzeug

  • Montessori-Spielsachen, (Maria Montessori spricht selber nie von Spielzeug, sondern von Arbeitsmaterialien. In weiteren Artikeln werde künftig ausführlicher auf die Pädagogik und geeignetes Montessori Spielzeug eingehen. Da dieses oft teuer ist, werde ich auch noch einige DIY Montessori Ideen geben)
  • Weidenkörbchen
  • Mal-und Bastelsachen
  • DIY-Spielideen:
  • Behälter zum Öffnen und Schließen. Recycelte Lebensmittelbehälter sind dafür hervorragend geeignet.
  • Alte Stoffe oder Kleiderreste sammeln, und mit diesen Behälter und Körbe bekleben und gestalten
  • Natur-Ecke:
  • Körbchen mit Fundsachen aus der Natur, wie Tannenzapfen, Blätter, Steine
  • Autos, Züge, Puppen
  • DIY Puppen:
  • Holzfiguren, selbst bemalt und gestaltet
  • Musikinstrumente
  • Puzzles, gerne Holzpuzzles für die Kleinen
  • Kinderküche mit Kochgeschirr und Zubehör, bei Ikea gibt es günstige Kinderküchen, aber auch im LIDL Online Shop
  • Natürlich Bücher
  • in weiteren Artikeln werde ich eine ganze Menge an schönen Spielsachen und vor allem DIY Spielsachen vorstellen. Gerne kannst du dich in meinen Newsletter eintragen, um darüber benachrichtigt zu werden.

Bücherecke

Lesen ist, gerade auch in unserer heutigen, medial geprägten Welt, die Grundlage für das Wachstum und die Entwicklung eines jeden Kindes. Ob du vorliest, die Bilderbücher gemeinsam mit deinem Kind betrachtest oder es sich alleine die Bücher anschaut, kaum etwas ist besser, als ein stetig wachsender und wechselnder Stapel und Auswahl an Büchern für das Kind.

Dabei ist es besonders wichtig, dass die Bücher dem Kind leicht zugänglich sind und in ansprechender Weise aufgestellt sind, sei es ein Korb, ein Bücherregal oder ein offenes Regal.

DIY Spielzeug oder gekauftes Spielzeug

Es gibt wirklich schönes Spielzeug, welches wir als Mütter getrost unseren Kindern kaufen können. Dazu gehören Puzzles, Bücher, Bauklötze (zum Beispiel Kappla Steine), Autos, Holzspielzeug, aber auch gutes Plastikspielzeug wie Lego, Duplo, Playmobil oder Playmobil 123. Ich denke, die meisten von uns kennen diese Sachen aus unserer eigenen Kindheit und können uns erinnern, wie wir stundenlang Legobauten gebaut haben oder in Playmobil Phantasie Welten abgetaucht sind.

Doch jenseits dieser Sachen, sind oftmals selbst kreierte Spielsachen und Bastelstationen viel geeigneter für die Schaffung einer selbstgesteuerten Spielumgebung. An Bastel- und Spielstationen kann viel eher ihre Kreativität und fokussiertes, konzentriertes Spielen entfalten, als mit der neuestes Modefigur, Puppe oder sprechenden und pippi-machenden Spielzeug-Hündchen.

Spielstationen

Jeder Mutter eines Kleinkindes ist es wohl nicht unbekannt, wie schwer es ist, die Aufmerksamkeit dieser kleinen Wirbelwinde länger als eine Minute auf eine Beschäftigung zu lenken. Sehr hilfreich können hier Spielstationen sein, die innerhalb der Wohnung aufgebaut sind. Neben dem schön und anregend gestalteten Kinderzimmer kannst du in verschiedenen Ecke verschiedene Spielbereiche einrichten. Eine Ecke kannst du beispielsweise als Puzzleecke einrichten, eine andere Ecke kannst du als Bastelecke oder als Bauecke einrichten.

In der Küche

In der Küche habe ich zum Beispiel fünf verschiedene Körbe mit unterschiedlichen Spielsachen und Gerätschaften, darunter viele Küchengerätschaften, wie Schneebesen, Kochlöffel, kleine Pfannen, Kännchen und Kindergeschirr. Während ich in der Küche koche oder sauber mache, hole ich abwechselnd die einzelnen Körbe hervor.

Durch die Rotationen ist immer etwas Neues und Interessantes dabei, womit meine Kleinen meist lange genug spielen, bis ich fertig bin. Oftmals reiche ich dann noch echte Möhren, Paprika, Petersilie, Kartoffeln oder anderes dazu, so “spielt” mein Kleiner genauso kochen, wie die Mama.

Neben dieser Beschäftigung ist es auch sehr sinnvoll, sein Kind beim echten Kochen und Zubereiten mit einzubeziehen. So können selbst kleine Kinder beim Kuchen backen helfen, indem sie die Eier, den Zucker oder die Nüsse dem Teig beigeben.

Dazu eignet sich ein Learning Tower bestens, die ist eine Konstruktion aus zwei Ikea Hockern, auf der das Kind abgesichert in der Höhe der Arbeitsplatte stehen kann. Eine Anleitung dazu gibt es hier.

Gerade in der Küche ist es natürlich ideal, wenn du die Schubladen und Schränke so umräumst, dass in den unten zugänglichen Bereichen Plastikschüsseln und ähnliches (Unzerbrechliches) eingeräumt sind. Allein das Entdecken dieser ganzen Habseligkeiten und Gerätschaften, das Ein- und Ausräumen kann dein Kind schon viele halbe Stunden, wenn nicht gar stundenlang beschäftigen.

Und diese ganze selbstgerichtete Beschäftigung dient wunderbar der Entwicklung des selbstgesteuerten Spiel und fördert dieses. Und das ohne, dass es sich hier um spezielles Kinderspielzeug handelt. Es ist anfangs vielleicht ungewohnt, sein Kind bei der Küchenarbeit um sich zu haben, aber es ist auf jeden Fall sinnvoller, als es Fernseh schauen zu lassen.

Draußen sein

Neben all diesen Anregungen ist es für Kinder natürlich unheimlich gut, wenn sie so viel es geht draußen sein können. Sie tanken nicht nur viel frische Luft, sondern auch das wichtige Vitamin D. Wenn du einen eigenen Garten hast, dann bist du natürlich gesegnet und kannst hier eine richtige kleine Kleinkindoase erschaffen, wo sich dein Kleines stundenlang beschäftigen kann. Da gibt es auch wirklich nicht das falsche Wetter, sondern nur die falsche Kleidung, so abgedroschen der Spruch auch klingt. Aber auch ohne eigenen Garten bist du nicht aufgeschmissen, auch wenn es nicht so leicht ist, wie einfach nur die Terrassentür zu öffnen.

Vielleicht hast du die Möglichkeit in deiner Wohngegend oder in deinem Ort einen Kleingarten bzw. Schrebergarten zu pachten? Die sind nämlich mittlerweile gar nicht mehr so spießig, wie der Ruf vielleicht noch herrscht. Und sie sind meist sehr günstig und auch mit geringerem Monatseinkommen bezahlbar. Hier kannst du deinem Kind genau so viel an Erfahrungen bieten, wie in einem eigenen Garten, wenn nicht sogar mehr. Denn ihr könnt Obst und Gemüse anbauen, du kannst deinem Kind Nachhaltigkeit und Ökologie von Anfang an ganz natürlich vermitteln. Platz für Spielgeräte wie Trampolin oder Pool ist auch genug. Und du bist nicht so abgeschottet wie zu Hause, in den Kleingartenanlagen sind heutzutage meist sehr viele junge Familien mit Kindern, die gemeinsam in der Anlage spielen können.

Und auch wenn dies keine Option für dich ist, so bleibt immer noch die freie Natur und die Spielplätze der Umgebung. Vielleicht findest du andere Mütter in deiner Nachbarschaft und ihr trefft euch regelmäßig auf dem Spielplatz. Oder du schlenderst mit deinem Kleinen durch eure Nachbarschaft, ihr beobachtet Ameisen und Hummeln, begutachtet die verschieden Zäune, Bäume und Pflanzen, sammelt Blätter, Kastanien oder Blumen (die dein Kind dann zu Hause weiterverarbeiten kann).

Viel draußen an der frischen Luft zu sein hat natürlich auch den Vorteil, dass dein Kind durch die ganzen Eindrücke und die körperliche Bewegung müde wird und so auch besser und wahrscheinlich auch länger schlafen wird. Was dir als Mutter wiederum auch einiges mehr an Auszeiten und Mamazeit gibt.

Wie du das selbstbestimmte Spiel nun einführst

In diesem letzten Absatz findest du nun einige praktische Tipps, wie du das selbstbestimmte Spiel einführen und kultivieren kannst:

Beobachte dein Kind

Beobachte und verfolge dein Kind, wie es seine Umgebung erforscht und entdeckt. Mit der Zeit wirst du seine Vorlieben kennenlernen und sehen, welche Spielzeuge und Beschäftigungen ihm gefallen und welche es ignoriert. Diese Sachen kannst du auch vorläufig wegräumen und zu einem späteren Zeitpunkt nochmals hinlegen. Es kann durchaus sein, dass dein Kind mit diesen Sachen dann spielen wird.

So gesehen ist das selbstbestimmte Spiel auch für dich als Mutter eine gute Erfahrung, mehr über die Vorlieben und Interessen und den aktuellen Entwicklungsstand deines Kindes zu lernen. Und vielleicht ist es auch eine Lernerfahrung für dich, dich zurückzuhalten, nicht ständig aktiv einzugreifen, sondern einfach nur zu zuschauen.

Widerstehe dem Drang zu helfen

Erlaube deinem Kind, sich mit den Sachen ab zu mühen oder auch Schwierigkeiten zu haben. Schreite nicht sofort ein, lass ihm den Raum und die Zeit, es selber lösen zu können. Zum Lernprozess gehört es auch, mit schwierigen Momenten umzugehen. Dein Kind macht viele wichtige Erfahrungen, während es seine Umwelt erkundet, während es “spielt” und sich mit den bereitgestellten Spielzeugen und Materialien beschäftigt. Dadurch lernt es unheimlich viel. Dazu gehört aber auch, dass es mit einigen Sachen Schwierigkeiten haben wird, vielleicht unruhig, knatschig der unruhig wird. Dass es ungeduldig oder wütend die Sache wegwirft oder möchte, dass du es ihm abnimmst, womit es gerade Schwierigkeiten hat.

Werfe hier nicht die Flinte ins Korn und gib an diesem Punkt, der anfangs häufig auftreten kann, nicht auf.

Und greife hier eben auch nicht ein und widerstehe dem Drang zu helfen. Ermutige dein Kind hingegen, es selbst zu bewältigen oder zu lösen. Wenn du altersgerechtes Spielzeug angeboten hast, wird es dazu auch in der Lage sein.

Damit ist natürlich nicht gemeint, dass du deinem Kind jede Hilfe verweigern sollst. Natürlich kannst du an entsprechenden Stellen auch Unterstützung bieten. Allerdings ohne das Ruder zu übernehmen.

Und halte dir vor allem auch vor Augen, dass es ein richtig oder falsch gibt, wie man mit den Spielzeugen spielen sollte. Halte dich auch an diesem Punkt zurück und widerstehe dem Drang, deinem Kind zeigen zu wollen, wie es “richtig” mit den Sachen zu spielen hat. Lass dein Kind seine Erfahrungen selbst machen und lass es ganz nach seiner Phantasie und seinen Ideen spielen. Genau hier liegt der Wert des selbstbestimmten Spiels.

Störe dein Kind nicht

Wenn Kinder spielen, verrichten sie tatsächlich wichtige Arbeit. Störe den Kind nicht dabei, indem du es aus welchen Gründen auch immer unterbrichst. Vielleicht hast du es schon bemerkt: Dein Kind spielt versunken mit seinem Spielzeug, du willst ihm vielleicht nur helfen und zeigen, wie “es geht”, aber danach ist der “Flow” raus. Dein Kind mag nun nicht mehr weiterspielen, die friedliche Konzentration ist vorbei. Daher halte dich zurück und lass dein Kind seine Umgebung und seine Spielsachen oder Gegenstände der Umgebung selbst und eigenständig erkunden.

Vertraue deinem Kind

Lass dein Kind selber entscheiden, mit was es spielen möchte, auf welche Weise und wie lang. Es gibt Tage, da widmet es sich lange und hingebungsvoll einer Sache, dann gibt es wieder Tage, da springt es von einem Spielzeug zum nächsten. Beides ist ok. Auf diese Weise lernt dein Kind, seinem eigenen Kompass zu folgen und die Fähigkeit, sein Spiel über längere Zeit hin zu steuern und zu lenken.

Begrenze den Zugang zu Fernsehen, Smartphone & Tablet

Im Grunde ganz einfach, dein Kind sollte nicht selbständig Zugriff auf die entsprechenden Geräte haben. Falls du einen Fernseher im Kinderzimmer hast, dann entferne ihn am besten. Manche Familien verzichten sogar bewusst auf den Fernseher im Wohnzimmer, allerdings reicht es (bei kleinen Kindern) vollkommen aus, wenn du die Fernbedienung außerhalb der Reichweite aufbewahrst. Lege auch Smartphone und Tablet am besten außerhalb der Reichweite und Sichtweite deines Kindes ab, ganz gemäß dem Motto “Aus den Augen aus dem Sinn”.

Mit gutem Beispiel voran gehen

Kinder lernen von uns, sie imitieren uns, sie wollen das machen, was wir machen. Es wird schwer sein, dein Kind an das selbstbestimmte Spiel heranzuführen, wenn du selber dabei die ganze Zeit mit dem Handy oder Tablet daneben sitzt. Versuche also selber, die entsprechenden Geräte wegzulegen und (in der Nähe deines Kindes) wenig zu nutzen.

Vielleicht würdest du gerne ein Buch lesen, während dein Kind spielt, aber du nutzt einen Kindle? Oder du musst oder möchtest am PC oder Laptop arbeiten, weil du beispielsweise von zu Hause aus freiberuflich tätig bist? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies anders aus Kinder wirkt. Wenn dein Kind dich beobachtet, wie du am PC beispielsweise schreibst, dann versteht es dich wirklich als Arbeit und nicht als Mediennutzung.

Dasselbe gilt für den Kindle. Kinder verstehen, dass es sich um “Lesen” handelt. Denn es sieht die gleichen Seiten, wie in einem echten Buch. Und eben keine bunte Bilder.

Dieser ganze Prozess der Einführung und Umstellung kann länger dauern und auch sehr mühsam sein, besonders wenn dein Kind vorher vielleicht schon viel Fernsehen geschaut hat oder gewöhnt war, sich mit dem Tablett oder Ipad zu beschäftigen. Aber glaub mir, es lohnt sich. Du wirst dich super fühlen, wenn du gemütlich ein Buch lesen, aufräumen oder mit dem Abendessen beginnen kannst, und dein Kind spielt friedlich versunken mit seinen Spielsachen.

2 KOMMENTARE

  1. Toller und sehr umfassender Beitrag! 🙂

    Wir haben für uns das Fernsehen als sehr störend im Alltag identifiziert. Irgendwie kommen die Kinder (inzwischen 4 & 5) nicht so gut damit zurecht. Sie sind danach total unausgeglichen und das muss ja nicht sein, also bleibt der Fernseher soweit aus. Da wir selbst aber Filme lieben und den Reiz der Bewegt-Bild-Geschichten absolut verstehen können, gucken wir am Wochenende einfach zusammen fern. Da hat man ohnehin mehr Zeit und kann abends gemeinsam einen Film schauen 🙂

    Andere Medien sind aufgrund des Alters noch gar kein Thema.

    • Hallo Dresden Mutti,
      das freut mich sehr, dass dir mein Beitrag gefallen hat 🙂 Genau die gleiche Erfahrung haben wir her auch gemacht und kann deine Lösung daher sehr gut verstehen. Ähnlich handhaben wir das auch. Es gibt Zeiten, wo wir gemeinsam etwas schauen. Meine beiden großen Jungs sind ja auch schon größer und da freuen wir uns dann auch über solche gemeinsamen Filmabende.

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